Jan Weilers Pubertier

„Und ewig schläft das Pubertier“ ist bereits der dritte Band bei Piper von Jan Weiler, der sich mit dem komplizierten Zusammenleben mit einem oder mehreren pubertierenden Jugendlichen befasst. Gerade erst ist der Film zum ersten Band in die Kinos gekommen. Zur Feier unserer kinderfreien Woche haben mein Mann und ich uns mal angeschaut, wie es anderen betroffenen Eltern so ergeht. Und wurden nicht enttäuscht …

„In der Erziehung gibt es kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur Falsch!“

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Doch auch wenn Jan Josef Liefers und Heike Makatsch grandios die mit der Situation überforderten Eltern gespielt haben muss ich sagen dass die Bücher um Welten besser sind.

Jan Weiler schreibt mit soviel Intelligenz und Wortwitz, dass ich versucht war mindestens einmal pro Seite ein Zitat für mein Leben herauszuschreiben. Obwohl ich kein Vater bin kann ich so viel nachvollziehen und lag teilweise wirklich tränenüberströmt und lachend alleine auf dem Sofa und hab mich nicht mehr eingekriegt.

„Der Vater als Instanz, als erfahrener Lehrer in den Dingen des Lebens, als eine Art Meister Joda im familiären Sternenkrieg. So sehe ich mich gerne. Leider betrachten mich meine Kinder ganz anders, nämlich als möchtegernautoritäre Nervensäge mit zweifelhaftem Musikgeschmack“

Ein Erziehungsratgeber ist es nicht, falls Ihr das erwartet… Ich hatte die Tage ein Interview mit dem Autor gesehen. Da berichtet er, dass er bei seinen Recherchen eine wissenschaftliche Abhandlung darüber gelesen hat, dass Erziehung mit 12 Jahren abgeschlossen ist! Alles was man seinem Kind bis dahin nicht Nahe gebracht hat wird auch nicht mehr funktionieren .. danach ist es quasi nur noch betreutes Wohnen!

Definitiv ein köstliches, intelligentes Buch für Erwachsene – ein fantastisches Buch für Eltern – das Buch einem Pubertier in die Hand zu geben halte ich jedoch für grob fahrlässig – es sei denn es soll ausziehen …

Ich wünsche Euch viel Spaß!

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  • € 14,00 [D], € 14,40 [A]
  • Erschienen am 03.07.2017
  • 176 Seiten, Hardcover
  • ISBN: 978-3-492-05772-1
  • auch als ebook erhältlich

Ihr könnt ihr das Buch direkt beim Verlag bestellen, oder z.B. bei amazon.

Ein herzliches Dankeschön an den PIPER Verlag und netgalley für das zur Verfügung stellen dieses einmaligen Buches.

 

AnnE with an „E“

Seit kurzem kann man bei Netflix die CBC Serie Anne with an „E“ sehen, die auf dem Roman Anne of Green Gables von Lucy Maud Montgomery aus dem Jahr 1908 basiert.  

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Ich habe als Kind die Bücher um die rothaarige Waise Anne Shirley verschlungen. Heute würde man sagen Anne ist einen Dramaqueen – damals war sie einfach nur perfekt für mich! So wunderbar intelligent und phantasievoll – und obwohl oft zu Tode betrübt, im nächsten Moment wieder herrlich optimistisch.

Ich habe mich also wie ein Kind gefreut, als ich von der Neuverfilmung meiner Lieblingsbücher erfuhr. Und ich wurde nicht enttäuscht!

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Anne Shirley ist eine Waise, die versehentlich zu dem älteren Geschwisterpaar Matthew und Marilla Cuthbert geschickt wird, um dort zu leben. Die beiden hatten eigentlich einen Jungen aus dem Waisenhaus angefordert um Hilfe auf dem Hof zu bekommen. Anne soll sofort wieder zurück – aber irgendwie schafft sie es sich in das Herz der Cuthberts zu plappern und bleibt auf Green Gables.

Amybeth McNulty spielt die Anne einfach göttlich! Es gab ja früher schon eine Serie um Anne of Green Gables – da mochte ich die Hauptdarstellerin nicht so gern, sie war mir zu hübsch und zu arrogant. Amybeth hingegen ist genau das drahtige rothaarige Waisenkind aus meiner Vorstellung! Sie hadert selbst mit ihren roten Haaren und ihrer Figur- aber wehe Jemand anders kritisiert sie – dann wird sie zur Furie. Sie stellt sich gerne vor, sie wäre eine Prinzessin aus einen fernen Land – aber gleichzeitig ist sie ungewöhnlich besonnen wenn es die Situation erfordert. Sie liebt mit ganzem Herzen – genau so wie sie hasst …

„Führe ein Leben ohne Bedauern!“ Josephine Berrry

Nach der ersten Folge wird die Geschichte nicht mehr getreu den Büchern erzählt. Das missfällt verständlicherweise einigen Fans. Ich muss sagen, dass mich das nicht stört, denn die Neuinterpretation des Stoffes ist meiner Meinung nach wunderbar gelungen. Ein tolles Plädoyer an die Gleichberechtigung der Frau und an die Phantasie!

In Flashbacks, die Annes Zeit vor Green Gables zeigen wird auf teilweise sehr brutale Weise thematisiert wie Waisen und Frauen in dieser Zeit behandelt wurden. Doch gerade wegen dieser düsteren Szenen strahlt Annes Optimismus und Lebenswille um so heller. Den Cliffhanger am Ende der letzten Folge nehme ich den Autoren allerdings krumm.

„Ich schätze jede neue Idee war mal modern, bis sie es nicht mehr war.“ Matthew Cuthbert

Hervorzuheben ist auch der Gebrauch der Sprache. Anne ist gebildet, zeigt, dass Lesen etwas Wunderbares ist! Ein einfaches „Vater unser“ wird zur schönsten Poesie aus Annes Mund. Ich würde mir wünschen, dass der Wert der schönen Sprache auch in unserer Zeit wieder mehr geschätzt würde.

„Wer Großes zu sagen hat, braucht auch große Worte.“ Anne Shirley Cuthbert

Auch bin ich froh, dass diese Serie mich mal wieder aufmerksam darauf gemacht hat, wie wenig Raum für Phantasie unsere Kinder heute noch haben. Immer mehr Termine, Hobbies, Hausaufgaben und Erwartungen der Erwachsenen ersticken das Kind sein. Das Leben ist durchgetaktet, Platz für Langeweile aus der wunderbare Ideen erst entstehen können fehlt völlig.

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Wir alle sollten viel mehr Anne sein – melodramatisch, intelligent, phantasievoll und das Leben in jeder seiner Facetten genießend!

„Ich werde die Heldin meiner eigenen Geschichte!“ Anne Shirley Cuthbert